Zum Hauptinhalt springen

Millimeterarbeit mit Weitblick

Tumoren wie Magen- oder Ösophaguskarzinome lassen sich mit hochpräzisen, in manchen Fällen robotisch assistierten Verfahren behandeln. Doch moderne Tumorchirurgie ist weit mehr als Technik.

Foto: Marc Hanson

Viele Menschen verbinden Chirurgie vor allem mit dem operativen Eingriff. Tatsächlich beginnt moderne Tumor­chirurgie jedoch viel früher: mit ­Diagnostik, Beratung und der ­Frage, welche Behandlung den größten individuellen Nutzen bringt. Lage und Ausdehnung des Tumors, seine biologischen Eigenschaften und der Gesundheitszustand der Betroffenen bestimmen den Behandlungsweg.

Alle Patientinnen und Patienten werden in einer interdisziplinären Tumorkonferenz vorgestellt. Fachleute aus Chirurgie, Gastroenterologie, Onkologie, Radiologie, Pathologie und Strahlentherapie entwickeln auf Grundlage aktueller Studien und Leitlinien eine individuelle Therapieempfehlung.

„Entscheidend ist, dass wir neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Behandlung einbeziehen und für jeden Menschen neu prüfen, welcher Weg medizinisch am sinnvollsten ist, statt automatisch das zu tun, was schon immer gemacht wurde“, betont PD Dr. med. Judith C. M. Sporn, ­Chefärztin der Chirurgischen Klinik am ­Leopoldina-Krankenhaus.

Magen- und Ösophaguskarzinome – was ist das?

Magen- und Ösophaguskarzinome sind bösartige Tumoren des Magens beziehungsweise der Speiseröhre. Dazu zählen auch ­Tumoren am Übergang beider Organe. Je nach Lage, Tumorart und Ausbreitung unterscheiden sich die Behandlungskonzepte.

Mögliche Warnzeichen
  • anhaltende Schluckbeschwerden oder Schmerzen
  • beim Schlucken
  • ungewollter Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit
  • länger bestehende Oberbauchbeschwerden
  • wiederholtes Erbrechen oder Blut im Erbrochenen
  • schwarzer Stuhl, Blutarmut oder auffällige Erschöpfung

Diese Beschwerden können auch harmlose Ursachen haben. Halten sie an oder nehmen sie zu, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.

Kleine Zugänge, große Präzision

Ist eine Operation erforderlich, können oft minimalinvasive Verfahren zum Einsatz kommen. Statt über einen großen Schnitt operiert das Team über mehrere kleine Zugänge. Auch die teilweise oder vollständige Entfernung des Magens oder von Abschnitten der Speiseröhre ist so möglich.

Eine Weiterentwicklung der „Schlüssellochchirurgie“ ist das robotisch ­assistierte Operieren mit dem ­Da-Vinci-System. Dabei steuert die Operateurin oder der Operateur die ­Instrumente von einer Konsole aus. Eine Kamera liefert ein stark ­vergrößertes, scharfes und stabiles 3D-Bild. Bis zu vier Roboterarme lassen sich parallel einsetzen; ihre beweglichen Instrumente unterstützen präzise Arbeitsschritte auch in engen Körperregionen. Der Roboter wird so zum „verlängerten Arm“ des Operateurs. „Er ersetzt nicht die Erfahrung des Chirurgen, sondern erweitert seine Möglichkeiten“, erklärt Sporn.

Minimalinvasive und robotisch ­assistierte Verfahren können dazu beitragen, Blutverlust, Schmerzen und Komplikationen zu reduzieren sowie die Erholung zu beschleunigen und den Krankenhausaufenthalt zu verkürzen. Voraussetzung ist stets, dass die ­onkologische Qualität gewahrt bleibt. Ob das Da-Vinci-System eingesetzt werden kann, hängt vom Tumorbefund, dem Operationsumfang und dem Gesundheitszustand des Patienten ab.

Ein Baustein im großen Ganzen

Aber auch der präziseste Eingriff ist nur ein Teil der Behandlung. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit Anästhesie, Pflege, Physiotherapie und Ernährungs­therapie. Sogenannte ERAS-Konzepte bündeln die Abläufe vor, während und nach der Operation. ERAS steht für „Enhanced Recovery After Surgery“ – eine verbesserte ­Erholung nach einem Eingriff.

Dazu gehören frühe Mobilisation, ­optimiertes Atemwegs- und Schmerzmanagement sowie eine ­gezielte ­Ernährungstherapie. So sollen ­Patientinnen und Patienten sicher und möglichst früh wieder aktiv werden.

Für Dr. Sporn beginnt eine gute Behandlung mit Zeit für Fragen und verständlicher Aufklärung.

Auch Zweitmeinungen und der Austausch mit Haus- und Fachärztinnen und -ärzten sind selbstverständlich. Ihr Leitsatz lautet: „Do the right thing“ – das medizinisch Richtige tun. Das kann eine Operation, manchmal aber auch die bewusste Entscheidung dagegen bedeuten.

Moderne Tumorchirurgie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse, präzise Technik und persönliche Begleitung. Denn nicht das Operationssystem bestimmt den richtigen Weg, sondern der Mensch, für den es eingesetzt wird.

Eine Patientensgeschichte – Detlef Schäfer
Foto: Julia Terhune

Chirurgische Klinik

Chefärztin
PD Dr. med. Judith Sporn

Sekretariat
Claudia Fürst, Kerstin Keller-Göbel

Telefon 09721 720-2261
Fax 09721 720-2258
E-Mail [email protected]

Hier geht es zur Website

Videos & Podcasts

„Magen- und Speiseröhrenkrebs-Chirurgie“

„Speiseröhrenkrebs“

„Das Da-Vinci-System in der Chirurgie“

PODCAST

Medizin & Menschen – Folge 50 – „Ein neuer Kollege im OP: Das DaVinci-Robotersystem im Leopodina“ mit Dr. med. Jessica Körber und Ulf Sauer

Zum Podcast