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Kurativ oder palliativ?

Über die Chancen einer Medizin, die Lebensqualität in den Mittelpunkt stellt

Foto: KI generiert

Wenn wir an Medizin denken, verbinden wir damit meist das Ziel, eine Krankheit zu heilen: Operationen, Medikamente, Reha. Kurz: alles, was dazu dient, die Krankheit zu besiegen. Dieses Ziel nennt man kurative Medizin.

Doch was, wenn eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist? Bedeutet das, dass die Medizin nichts mehr tun kann?

Ganz im Gegenteil: Genau hier setzt die Palliativmedizin an, eine hoch­spezialisierte, wissenschaftlich fundierte Disziplin, die nicht weniger „medizinisch“ ist als jede andere. Sie arbeitet evidenzbasiert, interdisziplinär und stellt nicht das Verlängern von ­Lebenszeit um jeden Preis, sondern die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt.

„Palliativmedizin bedeutet nicht das Ende, sondern ein anderes Ziel.“
Foto: KI generiert
Kurativ vs. palliativ – zwei Perspektiven, ein gemeinsames Ziel
  • Kurativ: Ziel ist die Heilung oder das maximale Zurückdrängen der Erkrankung. Beispiel: Tumoroperation, Chemotherapie mit Heilungsanspruch, Herzklappenersatz.
  • Palliativ: Ziel ist die bestmögliche Lebensqualität in einer Situation, in der eine Heilung nicht mehr möglich ist. Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Angst, Übelkeit oder Verwirrtheit stehen im Zentrum, aber auch der Blick darauf wie kann und will man jetzt und in Zukunft mit der Erkrankung leben. Beide Ansätze sind keine Gegensätze, sondern fließende Übergänge: Palliative Prinzipien können ­frühzeitig parallel zur kurativen ­Therapie beginnen – und sind nicht nur auf die „letzten Tage“ beschränkt. ­Daher wird heutzutage in vielen Fällen die ­Palliativmedizin begleitend bei ­schweren Erkrankungen in die ­Behandlung integriert.
Palliative Vitalparameter

In der kurativen Medizin sind Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung entscheidende Vitalwerte, sowie der Blick auf Laborwerte und bildgebende Verfahren. Teilweise sind diese auch für die Behandlung in der Palliativ­medizin wichtig, jedoch verschiebt sich der Fokus deutlich:

  • Schmerzfreiheit: Wird der Patient durch Schmerzen belastet?
  • Dyspnoe: Kann er oder sie frei ­atmen, ohne Angst zu haben?
  • Angst und innere Unruhe: Findet die Seele Ruhe?
  • Übelkeit und Appetit: Ist Essen oder Trinken möglich und angenehm?
  • Kommunikation und Teilhabe: Kann der Patient noch Beziehungen leben und in Kontakt bleiben?

Diese „palliativen Vitalparameter“ ­zeigen: Lebensqualität lässt sich ­messen, gestalten und verbessern.

Mehr als Morphin: ein hochspezialisiertes Fachgebiet

Noch immer hält sich das Vorurteil: „Palliativmedizin, das heißt Morphin geben und beim Sterben helfen.“ Doch die Realität sieht anders aus. Palliativmedizin ist:

  • Multidisziplinär: Ärzte, Pflegekräfte, Psychologen, Physiotherapeuten, Sozialarbeiter und Seelsorger arbeiten Hand in Hand zum Wohl der Patienten.
  • Evidenzbasiert: Leitliniengestützt und wissenschaftlich fundiert.
  • Ganzheitlich: Körperliche, seelische, soziale und spirituelle Dimensionen werden einbezogen.

Damit ist Palliativmedizin keine Randdisziplin, sondern eine hochqualifizierte Säule moderner Medizin.

Warum alle von der Palliativmedizin profitieren

Für das medizinische Fachpersonal eröffnet palliatives Denken einen Blickwechsel in palliativen Behandlungssituationen: weg vom reinen „Erfolg“ in Labor- und Messwerten, hin zur Lebensqualität des Menschen. Für Patienten und Angehörige bedeutet es die Erfahrung: Es wird weiter etwas für mich getan – nicht gegen die Krankheit, sondern für mein Leben.

Patientenbeispiel: Herr S. und die Kraft der kleinen Schritte

Herr S., 68 Jahre, lebt mit einer weit fortgeschrittenen Tumor­erkrankung. Heilbar ist sie nicht mehr. Als das SAPV-Team zum ersten Mal zu ihm nach Hause kam, war er erschöpft, konnte kaum schlafen, hatte wiederholt beängstigende Atemnot. Er und seine Frau machten sich Sorgen vor Notfallsituation und Verschlechterungen. Nach gezielter palliativmedizinischer Behandlung (medikamentöse Atemnotlinderung, Anleitung zu Verhalten bei Krisensituation, Gespräche mit Psychoonkologie und Seelsorge und gemeinsamen Planung der Versorgung in der Zukunft, berichtete er: „Ich fühle mich endlich wieder sicher. Ich weiß, was zu tun ist, wenn die Luft knapp wird.“

Sein Leben wurde dadurch nicht „gerettet“ – aber lebenswert gemacht.

Palliativo Main | Saale | Rhön

Karl-Götz-Straße 30
97424 Schweinfurt

Telefon 09721 6055-153

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Internet www.palliativo.de