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Eine spannende Reise vom Baby zum Kleinkind: die Welt begreifen

Foto: ©stock.adobe.com

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Wenn ein Baby auf die Welt kommt, ist alles neu: das Licht, die Stimmen, die Gerüche und vor allem die vielen Dinge, die man anfassen kann. Babys können noch nicht sprechen und nicht erklären, was sie denken. Aber sie können etwas anderes besonders gut: begreifen. Das Wort „begreifen“ hat nämlich zwei Bedeutungen. Es heißt zum einen: etwas mit den Händen anfassen. Und zum anderen: etwas verstehen. Für Babys gehört beides ganz eng zusammen. Sie verstehen die Welt, indem sie sie anfassen. Im wahrsten Sinne des Wortes!

Die Hand – ein echtes Entdeckerwerkzeug

Schon kurz nach der Geburt greifen Babys automatisch nach einem Finger, der ihre Hand berührt. Dieser Greif­reflex ist angeboren. Später lernen sie, ganz bewusst nach Dingen zu greifen, zum Beispiel nach einer Rassel, einem Stofftier oder Mamas Haaren.

Mit ihren Händen fühlen sie: Ist etwas weich oder hart? Warm oder kalt? Glatt oder rau?

Wenn ein Baby eine Rassel schüttelt, merkt es: „Oh! Wenn ich mich bewege, passiert etwas!“ Es hört ein Geräusch. So lernt es, dass es selbst etwas bewirken kann. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, die Welt zu verstehen. Auch das Zusammenspiel beider Hände wird nach und nach geübt. Das passiert erst zufällig, später dann gezielt. So entwickelt sich die Feinmotorik – also die Fähigkeit, kleine Bewegungen genau zu steuern.

Der Mund – mehr als nur zum Essen da

Vielleicht hast du schon einmal gesehen, dass Babys fast alles in den Mund stecken. Das wirkt manchmal lustig oder auch ein bisschen seltsam. Aber dahinter steckt ein Plan der Natur. Im Mund gibt es besonders viele Sinneszellen. Babys können dort sehr genau fühlen. Mit Lippen und Zunge prüfen sie: Wie fühlt sich der Gegenstand an? Ist er weich, hart oder vielleicht krümelig?

Der Mund ist für Babys also ein wichtiges „Fühl-Werkzeug“. Durch das Nuckeln, Kauen und Lutschen sammeln sie Informationen. So begreifen sie ihre Umgebung Stück für Stück besser. Ganz nebenbei trainieren sie dabei auch Muskeln im Mund und im Kiefer. Das hilft später beim Essen und sogar beim Sprechen.

Die Haut – unser größtes Sinnesorgan

Wusstest du, dass die Haut unser größtes Sinnesorgan ist? Sie bedeckt unseren ganzen Körper. Überall in der Haut sitzen kleine Fühlzellen. Sie melden dem Gehirn, wenn uns jemand berührt oder sich die Temperatur ändert.

Für Babys ist Berührung besonders wichtig. Wenn Mama oder Papa sie streicheln oder auf den Arm nehmen, fühlen sie sich sicher und ­geborgen. Diese Nähe hilft nicht nur beim ­Wachsen, sondern auch beim Lernen. Forscherinnen und Forscher haben herausgefunden, dass Babys, die viele liebevolle Berührungen bekommen, sich besonders gut entwickeln. Sie sind ruhiger und neugieriger. Durch Hautkontakt lernen sie: „Ich bin nicht allein. Die Welt ist ein guter Ort.“

Ganz oft ist die Haut der Sensor zur Umwelt: Ist etwas warm oder kalt? Fühlt sich das Badewasser angenehm an? Oder kitzelt ein kühler Luftzug? So lernt ein Baby nach und nach, seine Umgebung einzuschätzen. Die Haut wird damit zu einer Art Warnanlage und einem wichtigen Helfer, um sich in der neuen Welt sicher zurechtzufinden und auf mögliche Gefahren, wie zu heißes Wasser, schnell zu reagieren.

Vom Fühlen zum Verstehen

All die Informationen aus Hand, Mund und Haut werden im Gehirn verarbeitet. Dort entsteht nach und nach ein Bild von der Welt. Wenn ein Baby immer wieder einen Ball anfasst, lernt es: „Ein Ball ist rund.“ Wenn es ihn fallen lässt, merkt es: „Er rollt!“ So wächst aus dem Anfassen langsam das Verstehen. Aus dem Greifen wird das Begreifen. Besonders spannend ist: Babys lernen auch durch Wiederholung. Sie probieren Dinge immer wieder aus – nicht, weil sie „vergesslich“ sind, sondern weil ihr Gehirn dabei fleißig Verbindungen aufbaut und Regeln erkennt: „Ah, immer wenn ich den Ball loslasse, fällt er nach unten.“ Je älter Kinder werden, desto mehr können sie Dinge auch mit den Augen und mit Worten erfassen. Aber die Grundlage wurde durch unzählige kleine Berührungen schon viel früher gelegt.

Ein kleines Wunder des Alltags

Wenn du das nächste Mal ein Baby ­beobachtest, das neugierig seine ­Finger ausstreckt oder konzentriert auf einem Spielzeug herumkaut, weißt du: Hier passiert etwas Großartiges. Das Baby entdeckt die Welt. Es fühlt, tastet und probiert. Es begreift – mit Händen, Mund und Haut. Und genau so beginnt das Abenteuer des Lernens.

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