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Struktur muss sein – ­beruflich und privat!

Menschen im Leopoldina: Martin Reder, Dozent in der Leo Academie und Vater von Drillingen

(Text und Bild: Bernd Meidel)

6. Januar, 23:15 Uhr – während die meisten Menschen schlafen, drückt Martin Reder in seinem Arbeits­zimmer auf „Senden“. Es ist der Moment, in dem Monate voller ­Disziplin, Schlafmangel und logistischer ­Meisterleistung in einer PDF-Datei münden: seine Masterarbeit im Fach „Personalentwicklung“ an der RPTU Kaiserslautern-Landau.

Wer Martin Reder in der „Leo ­Academie“ trifft, begegnet einem Mann, der eine Ruhe ausstrahlt, die man wohl nur entwickelt, wenn man sein Berufs- und Privatleben belastbar strukturiert hat. Seit 2020 ist er Kursleiter der Leo Academie. „Eine eigene Akademie an einem Krankenhaus ist keine Selbstverständlichkeit“, betont Reder. Er ist stolz auf die angebotenen Kursformate, nicht nur für die ­eigenen Mitarbeitenden, sondern auch für ­Externe, wie zum Beispiel für die ­Kliniken in Haßfurt und Münnerstadt, das Krankenhaus St. Josef oder den Campus in Bad Neustadt. Reder verbindet hier seine beiden großen Leidenschaften: die Pädagogik und die Medizin.

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Orchestergraben, Rettungswagen, Lehrerpult

2007 machte Reder sein Abitur am Celtis-Gymnasium in Schweinfurt. Als Trompeter reiste er mit der Celtis-Big-Band bis nach Turin und China. Danach Zivildienst bei den Johannitern. Der Kontakt zur Medizin hinterließ bleibenden Eindruck. Er absolvierte die Ausbildung im Rettungsdienst und finanzierte sich so sein Studium: Lehramt für Mathematik und katholische Religion.

„Ich hatte die Schule selbst so positiv in Erinnerung, dass ich Lehrer werden wollte“, erzählt er schmunzelnd. Doch kurz vor dem Staatsexamen kamen die Zweifel. War es das, was er sein Leben lang machen wollte? Die Fächerkombination war zudem wenig gefragt. Reder traf eine mutige Entscheidung: Kein Referendariat. Stattdessen stieg er voll in den Rettungsdienst ein, wurde Notfallsanitäter und arbeitete sechseinhalb Jahre bei den Maltesern. Schon damals engagierte er sich in der Ausbildung der Azubis. Irgendwann klopfte die Routine an. Reder absolvierte den Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen bei der IHK. Das ergab die perfekte Basis für seinen Wechsel an das Leopoldina.

Personalentwicklung tut Not

Heute ist Reder nicht nur ­Kursleiter, sondern treibt beispielsweise in Projektarbeit für die Personalabteilung das Führungskräfteentwicklungsprogramm voran. Sein Ziel: „Ich möchte im Leopoldina Personalentwicklung noch stärker in den Fokus rücken. Das Gesundheitswesen ändert sich rasant – gesetzlich, technisch, durch künstliche Intelligenz. Menschen brauchen Lust auf Veränderung und das Vertrauen, dass sie diese schaffen.“ Er sieht die Gefahr, dass sich die Gesellschaft in eine Art „modernes Biedermeier“ zurückzieht, aus Angst vor den neuen Herausforderungen unserer Zeit.

“Weiterbildung im laufenden Betrieb ist eine echte Herausforderung!“

Martin Reder

Familiäres Unterzahl-Spiel

Die Freude an der Veränderung lebt Martin Reder auch im Privaten. Als seine schwangere Frau nach dem ersten Ultraschall ins Auto einstieg und sagte: „Es sind Drei“, hielten beide kurz den Atem an: drei Betten, drei Wagen, drei Mal alles! Reder lacht: „Man spielt ab diesem Moment immer in Unterzahl; man hat immer eine Hand zu wenig.“

Lara, Marie und Jakob heißen die drei, die das Leben der Reders gründlich auf den Kopf gestellt haben. Organisation ist hier kein Modewort, ­sondern Überlebensstrategie. Während Reder aktuell zu 90 % arbeitet, ist seine Frau zu 60 % als Laborantin in Würzburg tätig. Ein agil strukturierter Wochenplan regelt, wer die Kinder in die Kita bringt, wer das Homeoffice nutzt und wie der Alltag bewältigt wird. Traditionelle Rollenbilder sucht man vergeblich; gelebt wird Teamplay auf Augenhöhe.

Erlebnisse statt Spielsachen

Hobbys, wie die Trompete oder das ehrenamtliche Engagement im ­Rettungsdienst, mussten für die erste Zeit hintenanstehen. Auch das „wilde Campen“ im Bulli wich einem geräumigen Wohnwagen, passend für die fünfköpfige Familie. Und Reder bereut nichts. „Mit den Kindern wächst man an seinen Herausforderungen – Schlafmangel, stetes Ver- und Umsorgen, Erfolge und Fehlgriffe, zeitliche Neuorientierung.“ Seinen Kindern möchte er vor allem eines mitgeben: Weltoffenheit. „Erlebnisse sind wichtiger als Geschenke. Sie sollen andere Orte kennenlernen, im Schwimmbad toben, Zeit mit den Großeltern verbringen und möglichst viel Verschiedenes sehen.“

Nach der Abgabe seiner Masterarbeit will er sich nun auch wieder ehrenamtlich in der Führungsunterstützung des Rettungsdienstes engagieren. Es scheint, als wäre Stillstand für Martin Reder keine Option, weder im Berufsleben noch privat. Er ist der lebende Beweis dafür, dass man mit der richtigen Struktur, einem starken Team und einer gehörigen Portion Lust auf Veränderung selbst die anspruchsvollsten Aufgaben meistern kann. Ob es KI im Krankenhaus ist oder der ganz normale Wahnsinn mit Drillingen.

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